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Was ist synästhetische Malerei? PDF Drucken E-Mail

Die folgenden Ausführungen stammen teils aus der Enzyklopädie Wikipedia, aus Geo Wissen (Sept 97) und gründen sich auf meine eigenen Beobachtungen und Erfahrungen.

Die Synästhesie (von altgriech. „mitempfinden“ und „gleichzeitig wahrnehmen“) bezeichnet die Kopplung zweier physisch getrennter Bereiche der Wahrnehmung, wie Farbe und Temperatur oder Musik und Farbe. Menschen, bei denen derart verknüpfte Wahrnehmungen regelmässig auftreten, werden als Synästhetiker bezeichnet. Sie haben also häufig zu einem Sinnesreiz zwei oder mehrere Wahrnehmungen. Sie können beispielsweise Musik nicht nur hören, sondern auch Formen und Farben dazu sehen. Das Bild, das dabei entsteht, wird vor einem „inneren Auge“ sichtbar.

Auch abstrakte Begriffe, wie Zahlen, Buchstaben, Wörter können bei einem Synästhetiker als Form, Farbe oder sonstige Sinnesqualität wahrgenommen werden.

Die Synästhenie führt zu äusserst lebendigen, sekundären Empfindungen als Reaktion auf einen primären Wahrnehmungsreiz. Bei der gleichen visuellen Wahrnehmung kommt es immer zur gleichen synästhetischen Empfindung.

Synästhesien sind keine Halluzinationen. Synästhetiker erleben die Sinneswahrnehmungen mit offenen Augen im normalen Tagesbewusstsein.

In der Erforschung der Merkmale der Synästhenie legte der amerikanische Neurologe Richard Cytowic fünf Merkmale fest, die hier in einer revidierten Fassung wiedergegeben werden:
  1. Synästhesien finden unwillkürlich statt, brauchen aber einen Auslöser.

  2. Verschiedene Dinge rufen verschiedene synästhetische Wahrnehmungen hervor: (z.B. A und R beide rot, aber mit verschiedenen Farbtönen. Auch die - in einem Wort z. B. - dazukommenden Konsonanten verändern den Farbton.)

  3. Basierend auf einfachen und abstrakten Formen: Auslöser einer synästhetischen Empfindung sind oftmals abstrakte Formen, z. B. geometrische Figuren.

  4. Erinnerbar: Synästhetiker können sich leicht an synästhetische Wahrnehmungen erinnern.

  5. In eine Richtung verlaufend: Synästhesie ist mit einer Einbahnstrasse vergleichbar: Ein Synästhetiker kann zwar beim Musikhören Farben sehen, umgekehrt funktioniert das nicht.

Synästhetiker sehen ihre Begabung als natürlich an. Die Empfindungen sind schon immer da gewesen. Ich erinnere mich, als mich jemand vor etlichen Jahren darauf ansprach: „Du bist ja Synästhetiker“ war ich sehr verwundert, war ich doch immer der Meinung gewesen, dass das Sehen von Farben beim Hören von Musik etwas ganz Normales sei, was jedem Menschen eigen ist, wie das Schmecken von sauer beim Essen von Zitronen. Es ist ca. 15 Jahre her, als ich in einem Chor sang und – vor allem beim Singen von lateinischen Messen - unablässig Farben und Formen vor meinem geistigen Auge sah. Bei meinen weiteren Beobachtungen stellte sich (für mich) heraus, dass lediglich Klassische Musik, allenfalls noch Musik vom Rande der Klassik mich dazu befähigt, Farben und Formen zu sehen.

Die Ursachen der Synästhesie sind bis heute nicht restlos erforscht und schon garnicht wissenschaftlich belegt, obwohl dieses Phänomen schon seit ca. 300 Jahren bekannt ist. Man bewegt sich noch immer im Bereich von Vermutungen, die von Wahrnehmungsstörungen und Gehirnschädigungen bis hin zur hochsensiblen Wahrnehmungsfähigkeit gehen.

Viele namhafte Künstler haben sich in Synästhesie versucht. Sie haben sie als Bereicherung ihrer Kunst angesehen, glaubten durch die Synästhesie zu einer tieferen Wahrnehmung zu kommen. Merkwürdigerweise ist es nie zu einer eigenen Kunstrichtung gekommen. Das mag daran liegen, dass die Wahrnehmungen bei jedem Synästhetiker andere sind, so dass sich keine allgemein gültige neutrale Gesetzmässigkeit erkennen oder herstellen lässt.

Derzeit ist die Synästhesie international ein populärer Forschungsgegenstand.

Man erhofft sich neue Erkenntnisse über die Funktionsweise der menschlichen Wahrnehmung.